Anmeldungsdatum: 23.07.2005
Beiträge: 16
|
|
Eines der größten Probleme nahezu aller Repertorien ist die Frage nach den herangezogenen Quellen. Ein paar Repertorien versuchen diesem Problem mit abgekürzten Quellen Herr zu werden, was das Übel nicht wirklich löst, und zwar aus drei Gründen:
In manchen Fällen ist nicht das spezifische Werk selbst genannt, sondern nur der Autor selbst (wobei es sich natürlich auch um mündliche Nachträge handeln kann, siehe Geukens). Aber eine Angabe wie Hahnemann oder die Ziffer 5, die im Complete und im Repertorium Universale die zwei Autoren Boger UND Bönninghausen und damit praktisch ein ganzes Jahrhundert umfaßt, ist höchstens als Hinweis auf die Urheberschaft, aber nicht als Nachweis zu werten.
Die genaue Fundstelle ist damit nicht bekann, was besonders dann "unpraktisch" wird, wenn die Quelle, wie beispielsweise die Encyclopedia von Allen zu Sulphur fast 140 klein gedruckte Seiten umfaßt.
Der Text der Quelle ist selbst bei genauester Quellenangabe immer noch nicht zugänglich - und oftmals ist es doch der genaue Wortlaut eines Symptoms, der dem Homöopathen verraten wird, ob das Symptom in enger oder weiter Ähnlichkeitsbeziehung zu den Beschwerden des Patienten steht.
Welche Lösungsansätze findet man in der Geschichte?
Bereits 1836 hat Georg Adolph Weber in seinem Werk "Systematische Darstellung der reinen Arzneiwirkungen aller bisher geprüften Mittel" einen Versuch unternommen. Das Prinzip ist einfach erklärt: In der Art eines Repertoriums gibt es Haupt- und Unterrubriken. Wie beispielsweise Abtheilung A "Krankheitserscheinungen im Kopfe." 1. Schwindel. Nach einer solchen Grobeinteilung folgen "Unterrubriken" wie z.B. "b. Schwindel, als drehe es sich im Kopfe; Schwindel, als bewegten sich die Gegenstände umher". Und nun folgen nicht mehr bloß Arzneimittel, sondern Arzneimittel mit vollständigen Prüfungstexten.
Die Beispieldatei "Weber_Schwindel.pdf" steht zum Download zur Verfügung.
Nebenbei: Das vollständige Buch erscheint demnächst in digitaler Form.
Diskussion der Vor- und Nachteile:
- auch hier fehlen die Quellenangaben
+ der vollständige Text steht zur Verfügung
- der Umfang wird schnell ungemein groß. Schon der Weber hat beinahe 1200 Seiten trotz kleinsten Drucks.
- komplizierte und komplexe Symptome würden hier entweder repertoriumsartig tief verschachtelte Einträge erfordern oder den Homöopathen zwingen, sehr viele Einträge zu lesen, bevor das gesuchte Symptom gefunden ist.
Ein weiterer Versuch wurde wenig später, 1848, von Gottlieb Heinrich Georg Jahr mit dem zweiten Teil des Werkes "Ausführlicher Symptomen-Kodex der Homöopathischen Arzneimittellehre." unternommen. Schlägt man hier im ersten Band, S. 623ff die Abteilung VI. Sensorium auf, so findet man zweierlei: zunächst alle Arzneimittel, die Schwindel-Symptome enthalten alphabetisch sortiert, zusammen mit den Symptomen (in der von Jahr entwickelten verkürzenden und zusammenfassenden Schreibweise). Ab Seite 633 folgen dann "Unterrubriken" wie z.B. auf S. 633 "Schwindel, nach Art u. Beschaffenheit. - Drehender" mit einer Liste von Arzneimittabkürzungen in mehreren Graden, aber an dieser Stelle ohne Symptomentext.
Diskussion der Vor- und Nachteile:
+ eine Kombination von Repertorium und Materia medica
- ständiges Hin- und Herblättern ist erforderlich.
+ / - (je nach persönlichem Dafürhalten) verkürzte Schreibweise
- zum Teil wurde der Text gegenüber dem Original abgewandelt.
Eine moderne - bereits existierende - Computerlösung
Es gibt Computerprogramme, die es ermöglichen, zu jedem einzelnen Symptom bzw. zu jedem einzelnen Autor direkt beim entsprechenden Arzneimittel beliebige Notizen einzufügen, d.h. selbstverständlich auch Originaltexte aus Prüfungen. Da ich ja schlecht verleugnen kann, daß ich im Synthesis-Projekt involviert bin, kann ich hier kompetent auch nur von diesem Projekt sprechen. Schon heute ist es die Regel, daß bei allen Änderungen und Korrekturen von Symptomen diese zusammen mit dem Originaltext aus der MM erläutert werden. Diese Notizen stehen dem Homöopathen auch im Repertorium zur Verfügung. Dies ist ein erster Schritt. Ziel muß es sein, an einen Punkt zu kommen, an dem ALLE Arzneimitteleinträge mindestens eine solche Quellenangabe aufweisen.
Damit könnte dann die Forderung Bönninghausens (und fast aller anderen großen Meister) erfüllt werden: Daß nämlich das Repertorium zu einem Werkzeug werde, das das Nachschlagen der Symptome in der Materia medica erleichtert und das Gedächtnis entlastet.
Angesichts einer Zahl von Einträgen, die in den großen Repertorien die Millionengrenze inzwischen überschritten hat, ist dies selbstverständlich ein Gemeinschaftsprojekt größeren Umfangs.
Zur Problematik diverser Quellen, Transkriptions und Übersetzungsfehlern folgt in Kürze ein 2. Teil.
Peter Vint, 26. Juli 2005 |
| Beschreibung: |
| Beispielseiten zum Thema Schwindel von 1836 |
|
 Download |
| Dateiname: |
Weber_Schwindel.pdf |
| Dateigröße: |
713.31 KB |
| Heruntergeladen: |
614 mal |
|
|
|